Nitrospray - wann einsetzen?
Mein Arzt hat mir Nitrospray verschrieben, ich bin unsicher, wann ich diesen einsetzen soll.
Üblicherweise werden Nitro-Medikamente verabreicht, wenn Engstellen der Herzkranzgefäße („Stenosen“) vorliegen, die unter körperlicher Belastung zu einer Sauerstoff-Mangel-Situation des Herzmuskels führen. Diese Sauerstoff-Not des Herzens äußert sich oft als Brust-Schmerz, den man auch als „Angina pectoris“ bezeichnet, er kann in die Arme, in den Rücken und in die Kieferregion ausstrahlen. Nitropräparate sind in der Lage, die Herzkranzgefäße leicht aufzuweiten und gleichzeitig den Blutdruck zu senken, wodurch es zur Entlastung des linken Herzens und damit dann auch zur Schmerzlinderung kommt. Nitro in Spray-Form wirkt besonders rasch, wenn man die Substanz auf die Mundschleimhaut und unter die Zunge sprüht, ohne dabei einzuatmen.
Der gefäß-erweiternde Effekt tritt dann über die Schleimhautresorption bereits nach circa 2 Minuten ein. Durch den allgemein gefäßerweiternden Effekt von Nitro kommt es dabei als Nebenwirkung meist zu einem leichten Kopfdruck. Empfindet man diesen Kopfdruck nicht innerhalb von drei Minuten, ist die Wirkung des ersten Sprühstoßes wahrscheinlich zu gering und man sollte einen erneuten Sprühstoß verabreichen. Wegen der leichten Senkung des Blutdrucks sollte man nach einer Nitro-Anwendung nicht bewegungslos stehen bleiben, sondern sich bewegen, um einem Versacken des Blutes in die erweiterten Beingefäße mit möglicher Kollapsneigung vorzubeugen.
Ein häufiger und sehr sinnvoller Einsatz von Nitrospray „als Test“ dient der Differentialdiagnose des Brust-Schmerzes: ist man sich unsicher, ob ein Brust-Schmerz tatsächlich einer Angina pectoris entspricht oder - was viel häufiger ist - durch Aufbrauchs-Veränderungen der Brustwirbelsäule ( hier meist bewegungsabhängig und stechend) zustande kommt, dann weist das Verschwinden des Brustschmerzes bei gleichzeitigem Auftreten des genannten Kopfdruckes tatsächlich eher auf eine echte Angina pectoris hin, während eine Wirbelsäulensymptomatik nicht auf Nitro reagiert. Bei noch nicht kritischen, gleichbleibenden Engstellungen der Herzkranzgefäße, bei denen die Angina pectoris reproduzierbar immer wieder bei einem bestimmten Anstrengungsgrad auftritt, spricht man von einer „stabilen Angina pectoris“ oder einem „chronischen Coronar-Syndrom“, hier empfehlen die Kardiologen Herzgruppen-Teilnehmern sogar, vor der körperlichen Belastung zwei Nitrospray-Stöße zu verabreichen. Die Belastung wird dann oft deutlich besser toleriert.
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