Pragmatismus in der Herzgruppe                              

Hallo ÜL: Pragmatismus in der Herzgruppe? Aber ja!

 

Wir kennen alle die Begrifflichkeiten „Theorie und Praxis und den „Unterschied“. Die Anleitungen für unsere Aufgaben in der Herzgruppe bekommen wir von den Positionspapieren und einem Curriculum der Muttergesellschaft DGPR („Theorie!“). In der Aufmerksamkeit gegenüber unseren Patienten in der Gruppe machen wir nicht selten bedeutsame Entdeckungen (Praxis!“), deren Konsequenzen in diesen Anleitungen gar nicht oder nur marginal erwähnt werden, deren Wahrnehmung und

Umsetzung für die herzkranken Teilnehmer oft aber von praktischer Bedeutung ist:

 

So agiert Ihr pragmatisch, wenn Ihr eine unangemessen imponierende Kurzatmigkeit eines Teilnehmers im Ausdauermodul zu objektivieren versucht, indem Ihr ihn einfach einmal über eine halbe Minute die Atemfrequenz zählen lasst, eine Atemfrequenz von über 30 pro Minute ist abklärungswürdig... schon allein die Beobachtung eines Teilnehmers, der mit offenem Mund atmet, kann ein Hinweis auf eine Atemnot bei einer Überlastung des Herzens sein „laufen ohne zu schnaufen“, das war bereits in den siebziger Jahren ein pragmatisches Motto eines der Herzgruppen-Gründer Professor Max Halhuber.

 

Ihr bleibt auch dann pragmatisch, wenn Ihr diesem Patienten ein Pulsoximeter in die Hand gebt, um in der ihm auferlegten nächsten flotten Runde auszuschließen, dass er mit der Sauerstoffsättigung abfällt, ein solches Phänomen wäre ein Alarmzeichen (Hinweis auf e. beg. Lungenstauung, d. h. Linksherz-Überlastung) und Grund für einen vorzeitigen Besuch beim Kardiologen.

 

Pragmatisch handelt Ihr auch, wenn Ihr feststellt, dass ein Teilnehmer nach der Ausdauerbelastung bei dem Erholungs-Puls (90 Sekunden nach der Belastung) weniger als 10 % gegenüber dem Belastungs-Puls abfällt, als Zeichen, dass das Herz überlastet wurde und für die Überwindung der Sauerstoff-Not nacharbeiten muss. Eine ß-Blocker-Behandlung muss man hier allerdings berücksichtigen.

 

Auch kommuniziert Ihr pragmatisch, wenn ihr den Patienten mit Vorhofflimmern erklärt, dass sie im Grunde mit ihrem Puls nichts anfangen können, da sie am Handgelenk meist eine Frequenz um 80 zählen, in Wirklichkeit jedoch Frequenzen über 100/min haben, die frühzeitig einfallenden Schläge bei Vorhofflimmern aber nicht

wahrnehmen können (peripheres Puls-Defizit).

 

Wenn ein Patient über vermehrtes Herzstolpern unter Belastung klagt, so agiert Ihr pragmatisch, wenn Ihr ihn ermuntert, ein auf seinem Handy registrierbares und speicherfähiges EKG mit dem Herzgruppen-Arzt zu erörtern, der ggf. eine rhythmologische Abklärung in die Wege leiten kann.

 

Also denkt weiterhin mit und reagiert praxisnah aus Eurer Wahrnehmung heraus, die Patienten danken es Euch!

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